Arbeiten in einem multikulturellen Umfeld

Wer eine Stelle in einem globalen Unternehmen oder einem Unternehmen mit Kontakt zu Personen aus verschiedenen Kulturkreisen hat, macht sich davor selten Gedanken, dass Probleme beim miteinander Arbeiten auftauchen können. Das Wort multikulturell verknüpft man immerhin mit Weltoffenheit, Toleranz und Anpassungsfähigkeit. Meist zeigen sich die Herausforderungen und Missverständnisse erst im Arbeitsalltag und zwar nachdem man einige Zeit vor sich hingearbeitet hat, bis man feststellt, dass ein paar Dinge schieflaufen. Nicht umsonst gibt es mittlerweile unzählige Kurse und Seminare zum Thema interkulturelle Kommunikation und interkulturelles Verständnis. Nachfolgend geben wir dir ein paar Hinweise und Tipps, die dir das Arbeiten in einem multikulturellen Umfeld erleichtern sollen.

Verwechslung von Landeskultur mit Unternehmenskultur

Nachdem man Bücher gelesen und möglicherweise auch einen Kurs zu interkultureller Kommunikation besucht hat, fühlt man sich gut gewappnet für den Arbeitsalltag. Doch auch wenn Seminare und Bücher sehr hilfreich sind, um einen Überblick über gängige Verhaltensweisen zu bekommen, sollte man trotzdem nicht den Fehler begehen, eine pauschalisierte Meinung zu bekommen. Der erste Fehler, den du begehen kannst, ist es, die Kultur eines Landes mit der Kultur eines spezifischen Unternehmens zu verwechseln. So kann ein junges Start-up-Unternehmen in Japan durchaus eher westlich geprägt sein. Es gilt also, am Anfang eher zurückhaltend zu agieren und vor allem die Arbeitskollegen zu beobachten, um mit der Zeit ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Gepflogenheiten im Unternehmen herrschen.

Such dir einen Mentor

Möglicherweise gibt es in deinem Unternehmen einen offiziellen Mentor, der dir bei der Eingewöhnung hilft. Wenn ja, scheu dich nicht, ihn neben inhaltlichen Fragen auch Fragen zum Umgang, zu den Kommunikationswegen und Spezifika im Unternehmen zu stellen.

Auch wenn dir kein Mentor an die Seite gestellt wird, versuche einen Kollegen zu finden, mit dem du dich gut verstehst und den du z.B. hin und wieder beim Mittagessen treffen kannst, um deine Fragen zu klären.

Unterschiedliches Verständnis einer Position

Wenn du einen neuen Job anfängst, ist es wichtig mit deinem Vorgesetzten zu klären, was er von dir in der neuen Position erwartet. Je hierarchischer die Strukturen, desto mehr wird von dir erwartet, Dinge auszuführen anstatt sie in Frage zu stellen oder eigene Ideen einzubringen. So kann eine westlich geprägte Führungskraft seinem östlich geprägten Mitarbeiter als zu passiv im Verhalten und der Arbeitsweise einstufen, obwohl dieser sich nur so verhält, wie es in seinem Kulturkreis traditionell üblich ist. Bevor solche Dinge eskalieren, sollte man das Gespräch miteinander suchen und die unterschiedlichen Erwartungen und Definitionen an eine Rolle klären. Oft ergeben sich erst im Gespräch unterschiedliche Ansichten. Wichtig ist, keine Schuldzuweisungen zu geben, sondern die jeweilige Herangehensweise zu akzeptieren und ein gegenseitiges Verständnis zu schaffen.

Solltest du selber eine Position mit Personalverantwortung innehaben, ist es sinnvoll, in Gesprächen mit den Mitarbeitern herauszufinden, wie diese ihre Rolle sehen aber auch, was sie von einer Führungskraft erwarten. Im asiatischen Raum ist es beispielsweise unüblich, dass Mitarbeiter ihre eigene Meinung gegenüber einer Führungsperson äußern, vor allem, wenn ihre Meinung von der Meinung des Chefs abweicht. Führungskräfte aus Europa oder den USA brauchen hier Geduld, bis sie ihren Mitarbeitern signalisiert haben, dass es nicht nur in Ordnung, sondern auch absolut gewünscht ist, Feedback und Vorschläge einzubringen. Und das nicht nur im Gespräch unter vier Augen, sondern auch in Meetings. So kann durch Diskussion und Erörterung verschiedener Ansichten eine optimalen Entscheidung getroffen werden.

Umgekehrt werden westlich geprägte Mitarbeiter im asiatischen Raum eher als zu forsch und direkt angesehen.

Unterschiede

Generell kann man folgende Bereiche definieren, in denen es offensichtliche Unterschiede zwischen den einzelnen Kulturen gibt:

  • Durchsetzungsvermögen: Inwiefern ist ein gutes Durchsetzungsvermögen, das mit einer direkten Kommunikation einhergeht, im Unternehmen gewünscht?
  • Körpersprache: Studien besagen, dass 60 bis 80 % der Kommunikation zwischen Menschen alleine über die Körpersprache stattfindet. Doch auch diese ist je nach Kultur verschieden und Mimik, Gestik und Haltung können unterschiedlich interpretiert werden. Direkter Augenkontakt ist in der westlichen Kultur ein Zeichen dafür, dass man Interesse an dem Gegenüber zeigt, wohingegen in Asien der direkte Augenkontakt abnimmt, je höher eine Person gestellt ist. Dies gilt als Zeichen von Dominanz bzw. Respekt. Ein anderes Beispiel ist der natürliche Abstand zwischen zwei Personen. Wenn zwei Personen eine unterschiedlich große Komfortzone haben, endet dies oft damit, dass sich einer unwohl fühlt, da der eigene Raum entweder zu gering ist oder die andere Person zu weit weg steht und damit ein distanzierter Eindruck entsteht.
  • Kommunikationsfluss: Wird, wie in hierarchischen Strukturen, Information eher vertikal weitergegeben oder werden Informationen an alle Teammitglieder weitergeleitet?
  • Zeit: Wie wird mit Deadlines umgegangen? Werden diese gewöhnlich eingehalten oder muss sich darauf eingestellt werden, dass Verschiebungen gängige Praxis sind und nicht als Versagen eingestuft werden. Ist es üblich, um eine gewisse Uhrzeit nach Hause zu gehen, auch wenn die Arbeit noch nicht ganz erledigt ist, oder wird erwartet, dass sich die Anwesenheitsdauer nach der des Vorgesetzten richtet?
  • Schweigen: Wie wird Schweigen gewertet? Als Zeichen von Höflichkeit und Respekt oder als Zeichen von Passivität und Desinteresse?
  • Humor: Ist es üblich, dass während des Arbeitstages das ein oder andere Späßchen gemacht wird? Sind humorvolle Bemerkungen gegenüber dem Chef erlaubt oder werden sie als Angriff und Untergraben der Autorität angesehen?

Verhalten gegenüber Kunden und Lieferanten

Auch wenn man vielleicht in einem sehr homogenen, internationalen Unternehmen arbeitet, hat man früher oder später mit Kunden und Lieferanten aus anderen Kulturkreisen zu tun. Spätestens dann sollte man sich über mögliche Fettnäpfchen informieren. Fehler im Umgang mit Kunden oder gegenüber Lieferanten können schwerwiegendere Konsequenzen haben, als in einem internen Team.

Generell sind internationale Unternehmen von Haus aus sensibilisierter für Arbeiten in einem multikulturellen Umfeld und bieten teilweise auch selber regelmäßige Kurse für die Mitarbeiter an. Ein Tipp für dich: Übe dich in Toleranz gegenüber anderen Mitarbeitern, die ihre Arbeit anders und in deinen Augen vielleicht falsch erledigen. Wenn du mehrmals mit der gleichen Person zu tun hast und feststellst, dass diese ein anderes Verhältnis zum Thema Abgabefrist hat, versuche das nächste Mal genügend Puffer mit einzukalkulieren, anstatt dich jedes Mal über die vermeintliche Unfähigkeit zu ärgern.

 

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