Freiberufler und Selbstständige im Ausland

Wir leben im Zeitalter der digitalen Nomaden. Als digitaler Nomade kannst du leben, wo du möchtest, und damit ebenfalls an jedem Ort arbeiten, solange du Internetzugang hast. Als Freelancer bist du unter Umständen auf der ganzen Welt zu Hause. Verdienst du dein Geld mit dem Schreiben von Texten, so kannst du deiner Arbeit zu Hause, am Strand, in einem Café oder im Central Park in New York nachgehen. Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos.

In Deutschland wird zunächst zwischen Freiberuflern und Gewerbetätigen entschieden. Wenn du dich nun entscheidest, ins Ausland zu gehen, dann bedeutet das Freiheit und die Lust auf Abenteuer. Aber es kommen auch wichtige Fragen und Entscheidungen auf dich zu. Je nachdem, zu welcher Berufsgruppe du zählst, wirst du dich vor oder nach deiner Abreise mit verschiedenen Themen befassen müssen. Denn: Wie ist das im Ausland mit der Steuerpflicht, behalte ich meinen deutschen Wohnsitz? Welche Abgaben zahle ich, wie bin ich versichert und was ist mit meiner Rente? Wir beantworten all diese und noch weitere Fragen rund um das Thema der deutschen Freiberufler und Selbstständigen, die das Abenteuer Auswandern wagen möchten

Gewöhnlicher Aufenthalt und Wohnsitz

Wenn du deutscher Staatsbürger bist, bist du zunächst verpflichtet, deine Steuern gemäß der Gesetzeslage zu zahlen. Wenn du nun aber ins Ausland ziehst, gibt es verschiedene Kategorien, nach denen sich dein Steuerstatus ergibt: Befindet sich dein offizieller Wohnsitz weiterhin in Deutschland, musst du weltweit erzieltes Einkommen versteuern (unbeschränkte Steuerpflicht). Befinden sich dein gewöhnlicher Aufenthalt oder dein Wohnsitz im Ausland, aber deine Einkünfte erlangst du aus Deutschland, so musst du nur die deutschlandweit erzielten Einkünfte versteuern (beschränkte Steuerpflicht). Auch wenn du in einem Land mit Niedrigsteuer lebst, wirtschaftlich aber weiterhin mit Deutschland verbunden bist, dann unterliegt dein in Deutschland erzieltes Einkommen weiterhin der Steuerpflicht (erweiterte beschränkte Steuerpflicht). Sind weder dein Wohnsitz, gewöhnlicher Aufenthalt oder Einnahmen in und aus Deutschland, bist du nicht steuerpflichtig.

Da die Steuerzahlungen in Deutschland bekanntermaßen recht hoch sind, versuchen im Ausland Lebende oft, diese zu umgehen. In manchen Fällen wird die Erfassung nach deutschem Recht aber auch gewünscht, weil damit auch Vergünstigungen (etwa der Steuerfreibetrag) einhergehen.

Gewerbe im In- oder Ausland

In Deutschland wird zunächst zwischen Freiberuflern und Gewerbetätigen unterschieden. Erzielst du gewerbliche Einnahmen, das schließt bereits Affiliate-Einnahmen auf deiner Webseite ein, musst du in deiner Stadt ordnungsgemäß ein Gewerbe anmelden und zahlst fortan Gewerbesteuer. Als Journalist oder Person, die ihre Einnahmen beispielsweise einzig durch das Schreiben von Texten erzielt, giltst du dagegen als Freiberufler.

Selbstständige, die ins Ausland auswandern, aber gewerbliche Einkünfte erzielen, müssen entsprechend entweder in Deutschland oder dem Auswanderungsland ein Gewerbe anmelden. Besteht ein Gewerbe bereits in Deutschland, kann dieses auch vom Ausland aus weitergeführt werden. Je nach Gewerbe und dem neuen Heimatland bietet es sich aber an, die verschiedenen Konditionen und damit die zu leistenden Abgaben zu vergleichen, um sich gegebenenfalls für die Anmeldung des Gewerbes im neuen Heimatland zu entscheiden.

Kündigst du außerdem deinen Wohnsitz in Deutschland gänzlich – keine Sorge, du darfst in der Regel immer wieder zurückkommen – musst du dein Gewerbe entweder ins Ausland verlegen oder kannst unter Umständen ein Gewerbe ohne festen Wohnsitz in Deutschland anmelden, sofern du in Deutschland eine Adresse angeben kannst, der der Bewohner oder Besitzer der jeweils angegebenen Betriebsstätte zustimmt. Dein Gewerbe verlegst du dann ins Ausland. Hier kann eine enorme bürokratische Belastung auf dich zukommen und obgleich manche Länder gemeinhin als Steueroasen deklariert werden, so kann die Ummeldung doch ziemlich aufwendig bis fast unmöglich sein. Die Abmeldung des deutschen Gewerbes und Wohnsitzes und damit die Entscheidung, dein Gewerbe ins Ausland zu verlegen, sollte daher gut überlegt sein.

Krankenversicherung

Wenn du deinen deutschen Wohnsitz und dein deutsches Gewerbe angemeldet hast, bist du nicht nur verpflichtet, deine Steuern ordnungsgemäß in Deutschland zu zahlen, es gilt zusätzlich die gesetzliche oder private Krankenversicherungspflicht. Es gibt Krankenkasse, die ihre Leistungen in Form von privaten Krankenversicherungen in vielen europäischen Ländern anzubieten.

Eine weitere Möglichkeit stellt die Auslandskrankenversicherung dar. Diese kann für unterschiedlich lange Zeiträume abgeschlossen werden, eine Versicherung kann von sechs Wochen bis hin zu fünf Jahren andauern. Es gibt auch internationale Krankenversicherungen, die auf unbestimmte Zeit abgeschlossen werden. Ein deutscher Wohnsitz ist bei den Auslandskrankenversicherungen entsprechend nicht notwendig.

Rentenversicherung für Auswanderer

Als Freiberufler oder Selbstständiger zahlst du zumeist nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein, sondern sorgst privat vor. Mit dem Umzug ins Ausland verhält sich das nicht anders.

Es bietet sich also an, private Rentenversicherungen abzuschließen oder alternativ vorzusorgen, etwa durch den Erwerb von Immobilien oder durch das Investieren in Aktien.

Wenn du in Deutschland gemeldet bist, kannst du auch in eine deutsche Rentenversicherung einzahlen. Riester-Förderungen gibt es aber auch, wenn du deinen Wohnsitz im Ausland hast. Es ist ratsam, sich immer frühzeitig mit dem Thema Rentenversicherung zu beschäftigen und eine individuelle Lösung zu finden, um das Einkommen auch im Alter zu sichern.

Zusammenfassung

Wir unterscheiden zunächst zwischen Freiberuflern und Gewerbetätigen, denn die zu leistenden steuerlichen Abgaben unterscheiden sich hier. Außerdem spielt der Wohnsitz eine wichtige Rolle: Ob du in Deutschland oder im Ausland gemeldet bist, macht einen Unterschied. Hast du einen Wohnsitz in Deutschland, zahlst du auch in Deutschland Steuern. Ist dein Wohnsitz zwar im Ausland, du erzielst in Deutschland aber Einnahmen, musst du diese nach deutschem Recht versteuern.

Wenn du als Selbstständiger außerdem ein Gewerbe angemeldet hast oder gewerbepflichtig wirst, stehst du vor der Wahl, dein Gewerbe im Ausland oder mit Sitz in Deutschland zu führen. Unter Umständen zahlst du im Ausland weniger Abgaben, verlierst aber auch den Anspruch auf gewisse Vergütungen. Gewerbeanmeldungen im Ausland können außerdem oft sehr kompliziert sein. Überlege dir also genau, wo und wie du dein Gewerbe führen möchtest, wenn du dich entscheidest, dauerhaft im Ausland zu arbeiten.

Ebenso wichtig sind Fragen rund um die Kranken- und Rentenversicherung. Hier werden internationale Auslandskrankenversicherungen wichtig. Die Möglichkeiten und zu leistenden Zahlungen variieren je nach Versicherung und Dauer des Auslandsaufenthaltes. Als Selbstständiger musst du dich außerdem zumeist selbst um deine Rentenversicherung bemühen, Freiberuflern und Gewerbetätigen stehen an dieser Stelle die Möglichkeiten der privaten Rentenversicherung und der individuellen Vorsorge zur Verfügung.

Das Abenteuer Ausland ist somit zwar zweifelsohne spannend, aufregend und manchmal auch spontan, bestimmte Überlegungen und zu treffende Vorkehrungen sollten bei all der Freude und dem Spaß am Ungewissen aber nie außer Acht gelassen werden.

 

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