Leben und Arbeiten in der Schweiz

Mehr als eine Viertelmillion Deutsche hat es schon in die Alpenrepublik gezogen. Deutsche Arbeitskräfte sind seit Jahrzehnten etwas ganz Normales, zum einen durch die Berufspendler aus den Grenzregionen, zum anderen wegen der großen sprachlichen Ähnlichkeiten. Die Einreiseformalitäten sind kaum der Rede wert – selbst mit einem abgelaufenen Pass kommt man offiziell ins Land – allerdings fühlen sich einige Deutsche seit dem Referendum 2014 gegen die sogenannte „Masseneinwanderung“ nicht mehr so willkommen wie früher. Man sollte aber berücksichtigen, dass das Referendum in den Städten durchgefallen ist. Wer nicht allzu dünnhäutig ist, sollte sich also nicht abschrecken lassen. Die Schweiz ist nicht nur landschaftlich atemberaubend schön, sie hat auch in puncto Wirtschaft, Lebensstil und Kultur eine ganze Menge zu bieten.

Unternehmen und Jobs für Deutsche

Deutschland und die Schweiz pflegen ein gutes, nachbarschaftliches Verhältnis und arbeiten politisch, wirtschaftlich, kulturell und wissenschaftlich eng zusammen. Mit der EU besteht ein Abkommen zur Personenfreizügigkeit, obwohl die Schweiz nicht Mitglied ist. Die Wirtschaft floriert: für 2016 wird ein Zuwachs von 1,6% erwartet. Interessante Unternehmen gibt es quer durch alle Branchen: Maschinenbau, Elektro- und Metallindustrie, Chemie, Pharmazeutik, Umweltschutztechnologie und die weltweit führende Feinmechanik, die für die berühmten Schweizer Uhren und medizinische Präzisionsinstrumente steht. Dazu kommt ein gut entwickelter Dienstleistungssektor. Mit dem CERN hat die Schweiz schließlich auch noch einen gesamteuropäischen Forschungsstandort für Teilchenphysik. Dort befindet sich der LHC, der Große Hadronenspeicherring, an dem das Higgs-Boson entdeckt wurde.

Die Arbeitslosenquote der Schweiz liegt weit unter dem europäischen Durchschnitt.

Deutsche sind als Mitarbeiter generell begehrt. Gute Chancen hat man vor allem im Pflege- und Gesundheitsbereich, im IT-Sektor, im Vertrieb, im Tourismus- und Gastgewerbe, aber auch als Ingenieur, Manager oder Bürokraft.

Arbeitserlaubnis

Jeder EU-Bürger und damit auch jeder Deutsche hat einen Rechtsanspruch auf die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung, welche die Arbeitserlaubnis einschließt. Bis zu 90 Tage darf man sich auch ohne dieses Dokument in der Schweiz aufhalten. Aber Achtung: wird in dieser Zeit gearbeitet, muss man dennoch am Online-Meldeverfahren des Bundesamtes für Migration teilnehmen. Bleibt man länger, beantragt man bei den Behörden des Kantons, in dem man lebt und arbeitet, eine Aufenthaltsbewilligung. Dies ist eine reine Formalität, und schon die Antragstellung berechtigt zur Arbeitsaufnahme. Je nach Dauer der Tätigkeit werden unterschiedliche Aufenthaltsbewilligungen erteilt, die jeweils verlängert werden können und für die gesamte Schweiz gelten, so dass man nicht an einen bestimmten Arbeitgeber gebunden ist.

  • Kurzaufenthaltsbewilligung (unter einem Jahr) – Ausweis L
  • Aufenthaltsbewilligung (befristet) – Ausweis B
  • Grenzgängerbewilligung (Sonderbescheinigung) – Ausweis G
  • Niederlassungsbewilligung (unbefristet) – Ausweis C.

Bildung

Seinen Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen, hat bei den Eidgenossen Tradition. Die Schweiz hat ein föderales Bildungssystem das vom Bund, den Kantonen und den Gemeinden realisiert wird. Es gibt eine Vorschulstufe, dann die mindestens neunjährige Schulbildung mit Primarschule und Sekundarstufe I, worauf die Sekundarstufe II bzw. das Gymnasium folgt. Dort kann die Matura (Abitur) abgelegt und eine berufliche Grundbildung erworben werden. Die Tertiärstufe schließlich steht für die höhere Berufsbildung, also die Fachhochschulen, die kantonalen Universitäten und die Eidgenössischen Technischen Hochschulen.

Das Hochschulsystem unterscheidet stark zwischen Fachhochschule und Universität. Zwar verwenden beide die gleichen Bezeichnungen für ihre Bildungsangebote, aber die Universitäten sind meist stärker akademisch ausgerichtet, während die Fachhochschulen eher an der Praxis orientiert sind. Außerdem ist der übliche Abschluss an der Fachhochschule der Bachelor, wohingegen die Studierenden an Universitäten meistens mit einem Master ins Berufsleben entlassen werden.

Die zehn kantonalen Universitäten und die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen haben ein hohes, internationales Renommee. Neben den Bachelor- und Master-Abschlüssen kann natürlich auch ein Doktorat erworben werden. Eine überdurchschnittliche Anzahl des Lehrkräfte an Schweizer Hochschulen hat einen internationalen Background.

Sprache und Handelsbeziehungen

Die Schweiz hat mehr als eine Landessprache. Dazu zählen neben Deutsch auch Französisch, Italienisch, Räteromanisch, sowie Sprachen von Immigranten. Fremdsprachenkenntnisse können sich also auszahlen. Der wichtigste europäische Handelspartner der Schweiz ist jedoch Deutschland. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach deutschen Fachkräften. Deutsche Unternehmen in der Schweiz beschäftigen rund 50 000 Mitarbeiter, etwas mehr als ein Fünftel aller in der Schweiz tätigen Deutschen.

Wohnen und Gesellschaft

Wohnen in der Schweiz ist oft eine kostspielige Angelegenheit. Eine Wohnung kann leicht den Großteil des Einkommens verschlingen, oft genug muss man für 40 Quadratmeter über 1000 Schweizer Franken (etwa 920 €) im Monat hinlegen und in Basel, Genf und Zürich reicht das noch lange nicht. Meistens ist die Wohnung unmöbliert, hat höchstens einen Herd und einen Kühlschrank, manchmal eine Spülmaschine oder eine gemeinschaftlich genutzte Waschmaschine im Keller. Eine bedenkenswerte Alternative für Singles kann auch eine Wohngemeinschaft sein. Wichtig: sich in den Mietvertrag aufnehmen lassen, um Problemen mit dem Hauptmieter vorzubeugen.

Will man nicht die ersten Wochen in der Schweiz im Hotel verbringen, empfiehlt es sich, schon vor der Übersiedlung auf Wohnungssuche zu gehen und sich vor Vertragsschluss das gewünschte Objekt vor Ort genau anzusehen und den Mietvertrag zu prüfen. Wenn man die Wohnung bezieht, darf man nicht vergessen Wasser, Strom und Gas anzumelden.

Wichtig: in der Schweiz ist man sehr umweltbewusst. So gibt es eine strenge, meistens gesetzlich vorgeschriebene Mülltrennung. Vielerorts kommt der Abfall auch nicht in die Gemeinschaftstonne, sondern in eigens zu kaufende Müllsäcke und nur diese werden von der Müllabfuhr mitgenommen.

Deutsche in der Schweiz

Bei mehr als 300 000 Deutschen, die in der Schweiz leben und arbeiten, ist es kein Problem, eine deutsche Community zu finden. Foren im Internet sind gut für die Vorbereitung, Vereine, Clubs und Stammtische vor Ort helfen bei der Eingewöhnung und bieten Gemeinschaft, manche auch mit Schweizern. Das kann für Auswanderer, die im neuen Land nicht so leicht Anschluss finden, sehr wichtig sein. Denn in der Schweiz wird zwar Deutsch gesprochen, es ist aber das Schwyzerdütsch, an das sich nicht jeder gleich gewöhnt. Man sollte also zumindest einmal in der deutschen Community vorbeischauen.

 

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