Leben und Arbeiten in Neuseeland

Auswandern und plötzlich am anderen Ende der Welt leben. Neuseeland: Das Land steht für Abgeschiedenheit und den Wunsch, der Hektik des Alltags zu entfliehen. Die atemberaubende Natur des friedvollen Landes zieht nicht erst seit der Verfilmung von „Herr der Ringe“ viele Touristen in seinen Bann. Etwa sechs Millionen Menschen bereisen das Land jährlich und Neuseeland lässt viele Besucher mit nur einem Gedanken zurück: Hier möchte ich bleiben!

Die Arbeitslosenquote liegt in Neuseeland bei nur drei Prozent und für gut ausgebildete Arbeitskräfte ist es damit ein attraktives Einwanderungsziel. Der Einwanderungsprozess beinhaltet aber einige Hindernisse und Hürden, die es zunächst zu überwinden gilt. Hier erfährst du, wie aus dem Wunschdenken tatsächlich Wirklichkeit werden kann und wie sich das Leben und die Berufswelt in Neuseeland von Deutschland unterscheiden.

Unternehmen und Jobs für Deutsche

Die Arbeitslosenquote in Neuseeland ist vergleichsweise sehr niedrig und die Steuersätze unterscheiden sich von denen in Deutschland. Große Unternehmen mit Sitz in Auckland sind in den verschiedensten Branchen anzutreffen: Bau- und Logistikunternehmen, Energieerzeuger oder Elektronikhersteller sind nur einige der unzähligen Jobmöglichkeiten, die sich Interessierten auf dem neuseeländischen Markt bieten. Das Lohnniveau in Neuseeland wird unterschiedlich bewertet: Einige Deutsche stellen kaum Unterschiede fest, andere beschreiben ein im Vergleich zum deutschen Standard niedrigeres Durchschnittseinkommen. Die zu zahlende Einkommenssteuer ist in Neuseeland außerdem gestaffelt und liegt erst bei einem Brutto-Einkommen von über 70.000$ im Jahr bei 33%, bei einem jährlichen Durchschnittseinkommen von 48.000$ bis 70.000$ sind es 30%. Alles von 14.000$ bis 48.000% wird mit 17,5% besteuert. Außerdem wichtig: In Neuseeland gibt es keine Beiträge zur Renten-, Pflege- oder Arbeitslosenversicherung. Renten und Unterstützungszahlungen gibt es zwar, diese sind aber geringer als in Deutschland.

Arbeitserlaubnis

Ein Touristenvisum in Neuseeland gilt für drei Monate und schließt keine Arbeitserlaubnis mit ein. Wer entsprechend plant, für einen längeren Zeitraum in Neuseeland zu verweilen und dort ebenfalls zu arbeiten, braucht eine Arbeitserlaubnis für Arbeitnehmer. Hier bieten sich verschiedene Möglichkeiten: Wenn du einen Antrag auf ein Arbeitsvisum stellen möchtest, musst du ein Stellenangebot vorweisen können und der neuseeländische Arbeitgeber muss gleichzeitig bestätigen, dass er für diese Stelle keine einheimische Fachkraft hat. Diese „Application to work“ ermöglicht es dir, für einen gewissen Zeitraum, der durchaus über ein bis zwei Jahre ausgedehnt werden kann, in Neuseeland zu leben und zu arbeiten. Für Arbeitnehmer zwischen 18 und 30 Jahren gibt es in diesem Zusammenhang außerdem die Möglichkeit, sich auf ein „Working Holiday Visum“ zu bewerben.

Die dritte Variante stellt die „Permanent Residence Permit“ dar. Hier kategorisiert die neuseeländische Einwanderungsbehörde nach einem Punktesystem. Bewertet werden beispielsweise die Englischkenntnisse, die Ausbildung, berufliche Qualifikationen im Allgemeinen oder auch die Krankenakte des Antragstellers.

Es empfiehlt sich außerdem, bereits vor der Einreise nach Neuseeland die Seite der New Zealand Qualifications Authority besuchen, denn dort lassen sich Qualifikationseinstufungen nach neuseeländischem Standard treffen.

Bildung

In Neuseeland herrscht bis zum 16. Lebensjahr Schulpflicht. Diese beginnt ab dem 5. Lebensjahr. Das Schulsystem Neuseelands basiert auf dem britischen und ist deshalb unterteilt in die Primar- und Sekundarstufe. Bis zur 10. Klasse wird gemeinsam gelernt, anschließend können Schüler bis zur 13. Klasse weiteren Unterricht nehmen. Junge Erwachsene verlassen die Schule damit mit unterschiedlichen Abschlüssen. In Neuseeland sind Gesamtschulen außerdem üblich und jeder Schüler hat einen individuellen Stundenplan, da nach Kursen und nicht nach Klassen unterrichtet wird.

Zusätzlich gibt es in Neuseeland acht große Universitäten, Studienprogramme und -gebühren variieren dabei. Das „New Zealand Qualifications Framework“ kontrolliert die tertiären Bildungseinrichtungen und versucht damit, an allen großen Universitäten einen gleichen und hohen Standard zu gewährleisten.

Sprache und Handelsbeziehung

Englisch und die maorische Sprache sind die beiden Amtssprachen Neuseelands. Seit 2006 wird außerdem die neuseeländische Gebärdensprache als Amtssprache anerkannt. Maori beherrschten 2006 nur noch rund 157.500 Menschen, die Gesamtbevölkerung Neuseelands liegt bei etwa vier Millionen, was Englisch de facto zu der gebräuchlichsten Sprache macht.

Die New Zealand German Business Association fördert außerdem die bilateralen Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Neuseeland und die Mitglieder der Auslandskammer stammen aus den verschiedensten Bereichen. Die wichtigsten Handelspartner Neuseelands sind China, Australien und die EU.

Wohnen und Gesellschaft

Wohnen ist im internationalen Vergleich relativ günstig, Mieten und Kaufpreise variieren aber natürlich stark nach Region. Die größte Stadt des Landes ist Auckland, hier sind die Preise vergleichbar mit denen europäischer Großstädte. In Wellington, der Hauptstadt Neuseelands, liegen die Preisstandards etwa 15% unter denen Aucklands. Ein Apartment mit zwei Schlafzimmern kostet in Central Auckland beispielsweise etwa 460 NZD pro Woche, was umgerechnet etwa 300 Euro pro Woche entspricht und damit nicht unbedingt billig ist. Das Mietpreisniveau ist in kleineren Städten oder Dörfern deutlich niedriger. Lebensmittelpreise gleichen denen in Deutschland, auch hier variieren die zu kalkulierenden Kosten nach Region. Zusätzlich gilt: Alles, was importiert werden muss, ist teurer.

Neuseeland liegt in der gemäßigten Klimazone. Im hohen Norden erwarten dich im Sommer hohe Temperaturen und im Süden kalte Temperaturen von bis zu -10 Grad. Das Land ist, abgesehen von den Großstädten, weniger dicht besiedelt. Also Achtung, liebe Internetaffinen: Vor allem in abgelegenen Orten ist mit schlechterer Internetverbindung zu rechnen. Das macht die atemberaubende Natur Neuseelands allerdings im Handumdrehen wieder wett! Außerdem empfiehlt sich bei längerem Aufenthalt ein Auto, da das öffentliche Verkehrssystem in kleineren Städten oftmals nicht ausreicht, um in angemessener Zeit große Distanzen zu überwinden.

Deutsche in Neuseeland

Bis heute machen Deutsche einen Großteil des Einwanderer-Anteils Neuseelands aus. Laut des Zensus von 2013 gaben fast 13.000 Menschen in Bezug auf ihre Ethnizität an, deutsch zu sein. Außerdem interessant: Die „National Language Advertiser for German“-Einrichtung ist weltweit einzigartig und ist ein vom Bildungsministerium gefördertes Projekt und ermöglicht und erleichtert die schulische Spracharbeit. Die University of Canterbury hat 2016 in Neuseeland einen Lehrstuhl für Deutsch eingerichtet, womit sich die Anzahl der landesweit vorhandenen Lehrstühle auf sechs erweitert.

Neuseeland kann für Auswanderungsbegeisterte im Allgemeinen und Deutsche im Besonderen aus verschiedensten Gründen attraktiv sein: Der Traum vom Aussteigen, die einzigartige Natur oder der schiere Wunsch nach etwas völlig Neuem sind nur einige der unzähligen Beweggründe, die Menschen aus aller Welt dazu bewegen, in Neuseeland arbeiten und leben zu wollen.

 

Job teilen