Versicherungsschutz Beruf im Ausland

Grundsätzliches

Wer dauerhaft im Ausland arbeiten möchte, sollte sich bewusst machen, dass sich mit dem Wechsel des Wohn- und Arbeitsortes auch einige grundsätzliche Dinge ändern. Besonders zu beachten ist der Versicherungsschutz im Ausland, der bei einem Wohnortwechsel ins Ausland nur unter bestimmten Umständen weiter besteht.

Ob und in welchem Ausmaß der Versicherungsschutz im Ausland besteht, ist im Wesentlichen vom Zielland abhängig. Dabei lassen sich zwei grundverschiedene Fälle unterscheiden: Versicherungsschutz in einem EU-Land oder aber Versicherungsschutz außerhalb der EU.

Je nachdem, ob das Zielland nun ein EU-Land ist oder nicht, ist der Aufwand für Sie größer oder kleiner.

Wir von Workwide haben in dieser thematischen Übersicht alles Wichtige und Wissenswerte zusammengestellt, das Sie wissen müssen, wenn Sie im Ausland berufstätig sind.

Unfall im Ausland – wo findet die Behandlung statt? Wer zahlt?

Ob Versicherungsschutz besteht und wer die Versicherungskosten trägt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wichtig ist zum Beispiel, ob das Land, in dem Sie beschäftigt sind, der Europäischen Union angehört. Ist dem so, sind Sie durch die Europäische Krankenversicherungskarte (European Health Insurance Card – EHIC), die sich auf der Rückseite der deutschen Krankenversicherungskarte befindet, seit 2006 in allen Mitgliedsländern der Europäischen Union in öffentlichen Einrichtungen (z.B. Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte) behandlungsberechtigt und genießen die gleichen Patientenrechte wie jeder Einheimische.

Arbeiten Sie in einem Land, das nicht der Europäischen Union angehört, besteht mit wenigen Ausnahmen kein Versicherungsschutz und eine Auslandskrankenversicherung wird nötig. Dazu mehr unter dem Übersichtspunkt „Versicherungsschutz außerhalb der Europäischen Union“.

Passiert ein Unfall im Ausland, kann die Behandlung komplett im Wohnland stattfinden, sofern dieses Mitglied der europäischen Union ist. Sollte Versicherungsschutz bei einer deutschen Krankenkasse bestehen, wird diese die Behandlungskosten in aller Regel tragen.

Sind Sie bei einem deutschen Unternehmen im Ausland beschäftigt, so gilt zum Teil deutsches Versicherungsrecht und Sie sind durch Ihren Arbeitgeber geschützt. Maßgeblich dafür ist das sogenannte Sozialversicherungsabkommen einzelner Länder mit Deutschland. Die Länder, mit denen Deutschland ein solches Abkommen geschlossen hat, sind im Wesentlichen die 29 EU-Mitgliedsstaaten sowie Island, Norwegen, Liechtenstein und Mazedonien sowie die Schweiz. Gleiches gilt in Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro und Tunesien, wo allerdings nach wie vor ein Auslandskrankenschein von Nöten ist.

Eine Übersicht über die Länder, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht, sowie eine Übersicht über die Art der enthaltenen Versicherungen finden Sie unter folgendem Link in der Tabelle: http://www.deutsche-im-ausland.org/sozialversicherung-im-ausland/laender-mit-sozialversicherung.html

Ein Rücktransport ist in aller Regel allerdings weder im EU- noch im Nicht-EU-Ausland Bestandteil der Leistungen der Krankenkasse.

Versicherungsschutz innerhalb der Europäischen Union (EHIC)

Seit dem Jahre 2006 genießen alle Unionsbürger der Europäischen Union auch in jedem anderen EU-Mitgliedsland sowie in Island, Lichtenstein, Mazedonien, Norwegen und der Schweiz vollen Versicherungsschutz.

Dank der EHIC (European Health Insurance Card) oder zu Deutsch EKVK (Europäische Krankenversicherungskarte) besteht in allen Mitgliedsländern der Europäischen Union der volle Anspruch auf medizinische Versorgung. Die beinhaltet folgende Versicherungen:

  • Krankenversicherung
  • Pflegeversicherung
  • Rentenversicherung
  • Arbeitslosenversicherung
  • Unfallversicherung

Bei einem Arbeitsaufenthalt in einem EWR-Staat oder der Schweiz ist darauf zu achten, dass, unabhängig von Befristung oder Nicht-Befristung des Arbeitsverhältnisses, die Sozialversicherungsvorschriften des jeweiligen Arbeitslandes gelten.

Von der deutschen Krankenversicherung nicht getragen werden allerdings die Kosten für den Rücktransport nach Deutschland, zum Beispiel im Sterbefall. Daher kann sich auch im EU-Ausland der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung lohnen, die nur etwa 10 Euro im Jahr kostet und in der Regel Zahnarztbesuche sowie bei chronischen Krankheiten regelmäßige Kontrollen abdeckt.

Bei kurzfristigen Reisen von bis zu 56 Tagen kann auch einmalig eine Urlaubs-Krankenversicherung abgeschlossen werden, die lediglich für die Dauer des Aufenthaltes gültig ist.

Besteht jedoch das Bedürfnis nach einer umfassenden Auslandskrankenversicherung, die unter anderem den Rücktransport mit einschließt, so ist der Abschluss einer Jahrespolice zu empfehlen, die sich ebenfalls im Bereich von 10 Euro pro Jahr bewegt.

Krankenversicherung außerhalb der Europäischen Union

Leben und arbeiten Sie als Deutsche/r im Nicht-EU-Ausland, so ist eine Auslandskrankenversicherung fast unumgänglich. Dabei sind mehrere wichtige Aspekte zu beachten.

Zunächst einmal kann die Art der medizinischen Versorgung je nach Land stark abweichen, da sich auch die Rechtsprechung stark von der innerhalb der europäischen Union üblichen stark unterscheiden kann.

Zum anderen oder gerade deshalb sind Auslandskrankenversicherungen für das Nicht-EU-Ausland meist deutlich teurer als die für das EU-Ausland gültigen Versicherungen. Für Reisen von bis zu sechs Wochen fallen meist dennoch nicht mehr als 60 Cent pro Tag und Person an. Meist sinkt dieser Betrag sogar noch, je länger die Versicherungspolice gültig ist.

Aufgrund der Tatsache, dass sich die verschiedenen Sozial- und Krankenversicherungssysteme so stark von dem deutschen unterscheiden können, ist in jedem Fall individuell mit der Krankenversicherung der Inhalt der Versicherungspolice abzuklären.

Nur in wenigen nicht EU-Staaten besteht dank des Sozialversicherungsabkommens Deutschlands mit den jeweiligen Staaten dennoch Krankenversicherungsschutz.

Diese sind:

  • Türkei
  • Tunesien
  • Marokko
  • Bosnien-Herzegowina
  • Liechtenstein

sowie den EWR-Staaten

  • Island
  • Montenegro
  • Schweiz
  • Norwegen
  • Mazedonien

In Uruguay und den USA besteht dagegen lediglich die gesetzliche Rentenversicherung.

Bezüglich der Art des Versicherungsangebotes und den Tarifen empfiehlt sich ein Besuch des Vergleichsportals MAWISTA, wo Versicherungen verschiedener Anbieter im Detail verglichen werden können.

Staatliches oder privates Krankenhaus?

Im Grunde lässt sich der Unterschied zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung auch auf den Versicherungsfall bei Aufenthalt im Ausland übertragen. Das bedeutet, dass die gesetzliche Krankenversicherung alle notwendigen Kosten trägt (innerhalb der EU, Rücktransport ausgenommen). Die private Krankenversicherung kann darüber hinaus Zusatzleistungen anbieten. Der Rücktransport aus dem Ausland wird meist allerdings auch von privaten Krankenversicherungen nicht getragen. Ebenso kann die private Krankenversicherung gesonderte Bedingungen zur Art der medizinischen Behandlung oder zu individuellen Bedingungen des Patienten festlegen.

Besteht privater Krankenversicherungsschutz in Deutschland, bedeutet das allerdings nicht zwingend, dass auch im Ausland private medizinische Verpflegung auf Kosten der eigenen Krankenversicherung in Anspruch genommen werden kann. Das liegt daran, dass private Kliniken im Ausland eigene Behandlungs- und Verpflegungskosten erheben können.

Sind Sie also privat versichert oder planen den Wechsel zu einer privaten Krankenversicherung und sind im Ausland berufstätig, ist zwingend mit der eigenen privaten Krankenversicherung abzuklären, welche Kosten getragen werden und welche nicht.

Insbesondere in Ländern, mit denen Deutschland kein Sozialversicherungsabkommen geschlossen hat (z.B. USA und Kanada) können die Behandlungskosten in einer privaten Klinik wesentlich höher sein als im europäischen Ausland und entsprechend nicht immer übernommen werden.

Sind Sie gesetzlich versichert, können Zusatzleistungen nur über eine gesonderte Auslandskrankenversicherung in Anspruch genommen werden, die im EU-Ausland etwa 10 Euro im Jahr und im Nicht-EU-Ausland etwa 60 Cent am Tag kostet.

Was tun wenn die ärztliche Versorgung nicht verfügbar oder zu schlecht ist?

Leben Sie in einem Land, in dem medizinische Versorgung nicht vorhanden oder zu schlecht ist, haben Sie grundsätzlich zwei Möglichkeiten.

Zum einen können Sie zur Behandlung zurück nach Deutschland reisen, wo Sie nach wie vor vollen Versicherungsschutz genießen.

Zum anderen besteht die Möglichkeit, eine private Klinik aufzusuchen, die zwar wesentlich teurer, meist jedoch deutlich besser ist.

Im zweiten Fall müssen die Kosten für die Behandlung entweder in Absprache mit Ihrer privaten Krankenversicherung von dieser oder aber von Ihnen selbst getragen werden.

Ein Rücktransport ist in der Regel sowohl bei gesetzlichen als auch bei privaten Krankenversicherungen ausgeschlossen.

 

Links

https://www.krankenkassen.de/zusatzversicherungen/auslandskrankenversicherung/

https://www.mawista.com/auslandskrankenversicherung/#Notwendigkeit der Auslandskrankenversicherung

http://www.deutsche-im-ausland.org/leben-im-ausland/leben-versicherung.html

http://www.deutsche-im-ausland.org/sozialversicherung-im-ausland/laender-mit-sozialversicherung.html

 

 

Job teilen