Ein Berufsbild unter der Lupe: Als Croupier / Croupière die Welt sehen

Die Glücksspielbranche ist ein wachstumsstarker Markt. Auch als Arbeitgeber hat sie damit in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Die Tätigkeitsfelder, die rund um niedergelassene Spielbanken und Online Casinos angesiedelt sind, bieten eine große Vielfalt an Beschäftigungsmöglichkeiten und Karriereoptionen. Zu den interessantesten Tätigkeiten gehört das Berufsbild des Croupiers / der Croupière. Doch was macht die Aufgabe am Spieltisch so spannend? Wie finden Interessierte den Weg in die Branche und welche globalen Karriereoptionen eröffnet die schillernde Welt der Casinos?

 

So vielseitig ist die Karriere als Croupier / Croupière

Wer als Croupier / Croupière arbeitet, trägt Verantwortung und arbeitet nach einem festen Reglement, aber in diesem Rahmen verhältnismäßig selbstständig. Von der Vorbereitung der Spieltische und Materialien über die Begrüßung und Betreuung der Gäste und die vollständige Leitung der Spielabläufe bis zur Auszahlung von Gewinnen hat ein Croupier / eine Croupière den vollumfänglichen Überblick über den Spielbereich.

Für die Einordnung der Tätigkeit muss zwischen Croupier und Dealer unterschieden werden. Während Dealer ausschließlich am Pokertisch zum Einsatz kommen und dort als unbeteiligter Koordinator und Beobachter das Spiel von außen leiten, ist der Croupier / die Croupière bei allen klassischen Tischglücksspielen anzutreffen und in seiner / ihrer Funktion auch direkt in das Spielgeschehen integriert. Das macht das Berufsbild besonders interessant und vielseitig.

Eine zusätzliche spannende Facette hat die Branche durch das Aufkommen der Online Casinos gewonnen. Die zunehmende Digitalisierung und die wachsende Bedeutung digitaler Freizeitgestaltung haben diesem Teil der Branche zu einem enormen Wachstum verholfen und ihn als Wirtschaftsfaktor etabliert. Als Arbeitgeber ist die Glücksspielbranche damit vielseitiger und attraktiver geworden. Online Casinos sprechen beispielsweise Mitarbeiter mit zusätzlichen Qualifikationen mit digitalem Schwerpunt an und schaffen Synergien zur ebenfalls stark wachsenden Gaming-Branche. Für Croupiers / Croupières ebenen Online Casinos den Weg in eine global ausgerichtete Karriere mit großem Entwicklungspotenzial. Ein digitaler Arbeitgeber bietet beispielsweise die Möglichkeit, remote zu arbeiten.

Eine interessante Entwicklung im Zusammenhang mit diesem Berufsbild, sind die Live Casinos. Bei dieser Variante können Croupiers / Croupières ihre Fähigkeiten per Livestream einsetzen und Gäste vor dem Bildschirm durch einen interessanten Casinoabend führen. Zu den beliebtesten Anlaufstellen für Besucher gehören die lizensierten Live Casinos der Schweiz, die sich in der Branche bereits einen Namen gemacht haben. Mit den Live Casinos hat sich ein Trend etabliert, der landbasierte Spielbanken und Online Casinos miteinander in Einklang bringt und für Beschäftigte in der Branche neue, spannende Tätigkeitsfelder eröffnet.

 

Diese Voraussetzungen müssen angehende Croupiers / Croupières erfüllen

Die Ausbildung zum Croupier / zur Croupière erfolgt in der Regel über private Ausbildungsträger, die eigene Zugangsvoraussetzungen sowie Richtlinien zu Dauer und Inhalten der Ausbildung definieren. Die meisten Ausbildungsträger verlangen für die Zulassung zur Ausbildung allerdings ein Mindestalter von 21, sowie ein polizeiliches Führungszeugnis. Je nach Ausbilder kann auch ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis Voraussetzung sein.

Eine einheitliche Regelung zum Mindestschulabschluss für die Ausbildung zum Croupier / zur Croupière gibt es in der Regel nicht. Um die Ausbildung beginnen zu können, sind allerdings Nachweise über gute mathematische Kenntnisse und über konversations- und verhandlungssichere Kenntnisse in mindestens zwei Fremdsprachen erwünscht, um auch ausländische Gäste adäquat betreuen zu können. Der Vorzug liegt vor allem in den europäischen Häusern und in Online Casinos hierbei auf europäischen Fremdsprachen. Sichere Englischkenntnisse für einen internationalen Einsatz sind Grundvoraussetzung.

Die Kompetenznachweise können meist über ein Abiturzeugnis oder andere Nachweise über sprachliche und mathematische Qualifikationen vorgelegt werden.

Bei der Bewerbung nehmen Ausbildungsstätten auch gesundheitliche Aspekte in den Blick, die für die Ausübung der Tätigkeit relevant sind. Diese sind:

  • Funktionstüchtigkeit der Arme und Hände
  • Feinmotorik der Hände und Finger
  • Ungestörtes Sprechvermögen
  • Sehvermögen für die Ferne - auch korrigiert
  • Nahsehvermögen - auch korrigiert
  • Hörvermögen und Sprachverständnis
  • (Intaktes) Belastbares Nervensystem

(Quelle: https://berufenet.arbeitsagentur.de)

Im Hinblick auf das Arbeits- und Sozialverhalten stehen Loyalität und Verantwortungsbewusstsein an erster Stelle. Ebenso wichtig sind ein verbindliches und höfliches Auftreten gegenüber Gästen, ein ausgeglichener Charakter mit hoher Stressresistenz und die Fähigkeit, auch in hektischen Situationen und sich ständig verändernden Gegebenheiten den Überblick behalten und bedacht reagieren zu können.

Weitere Kernkompetenzen umfassen

  • Überdurchschnittliche Fähigkeiten im Kopfrechnen
  • Überdurchschnittliche Konzentrations- und Merkfähigkeit
  • Hohe Wahrnehmungsfähigkeit und Beobachtungsgabe
  • Schnelle Hand-Auge-Koordination
  • Überdurchschnittliche intellektuelle Leistungsfähigkeit
  • Überdurchschnittliches Zahlenverständnis und numerisches Denken
  • Überdurchschnittliche verbale Analyse- und Kommunikationsfähigkeit

Welche Fähigkeiten besonders stark berücksichtigt werden, hängt von jeweiligen Ausbildungsträger ab. Häufig bilden persönliche Gespräche mit den Bewerber*innen die Basis für eine Entscheidung.

 

So ist die Ausbildung zum Croupier / Croupière aufgebaut

Die Ausbildungsinhalte und -schwerpunkte können variieren, da das Berufsbild privat vermittelt wird. Zu den zentralen Kenntnissen, die im Rahmen der Ausbildung vermittelt werden, gehören allerdings

  • Spielregeln und Fachausdrücke von Spielen klassischer Tischspiele
  • Aufbau des Tableaus und Verteilung der Felder im Roulette-Kessel
  • Hintergründe und Mechanismen zu Automatenspielen
  • Einsatz- und Gewinnmöglichkeiten für Tisch- und Automatenspiele
  • Professioneller Umgang mit Jetons und Karten, Arbeiten mit dem Rateau, Einwerfen der Roulette Kugel
  • Zählstrategien zur Unterstützung der Merkfähigkeit, insbesondere bei Kartenspielen
  • Betreuung von Kasse und Rezeption
  • Überblick über die Situation am Tisch unter Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten
  • Professioneller Umgang mit den Casinogästen
  • Kompetente Anwendung französischer und italienischer Fachbegriffe

(Quelle: https://berufenet.arbeitsagentur.de)

 

Theoretische Inhalte werden meist in niedergelassenen Spielbanken und speziellen Seminarräumen vermittelt. Die Standorte der Ausbildungsträger sind auf der ganzen Welt vertreten. Zu den beliebtesten Ausbildungszentren in Deutschland gehören das Croupier Centrum Lindau und die Spielbank Berlin Academy.

Teile der Ausbildung können oft auch digital in Anspruch genommen werden, begleitet von einzelnen Praxiseinheiten. Häufig schließt sich an die Vermittlung theoretischer Inhalte ein praktischer Ausbildungsteil an, der direkt in einer Spielbank oder in einem Online Casinos absolviert werden kann und die erworbenen theoretischen Kenntnisse vertiefen soll. Die ersten Praxiseinheiten absolvieren Auszubildende häufig an der Seite erfahrender Croupiers / Croupières.

Sowohl die Dauer des Praktikums als auch der Hauptausbildung variiert stark je nach Ausbildungsträger. Die Ausbildung zum Croupier / zur Croupière kann zwischen drei Monaten und zwei Jahren betragen. Die meisten Varianten sind auf sechs bis neun Monate ausgelegt. Eine Ausbildungsvergütung gibt es nicht. Einige Ausbildungsträger erheben Seminargebühren und Auszubildende müssen mit zusätzlichen Kosten für Arbeitsmaterialien, Fachliteratur, gegebenenfalls Fahrt- und Unterbringungskosten für Praxiseinheiten und Prüfungsgebühren rechnen.

Absolvent*innen schließen die Ausbildung mit der Berufsbezeichnung Croupier / Croupière ab und können anschließend in vielfältigen Tätigkeitbereichen eingesetzt werden.

 

Der Alltag als Croupier / Croupière

Ausgebildete Croupiers / Croupières arbeiten in landbasierten Spielbanken, zunehmend aber auch in Online Casinos. Sie führen in der Regel selbstständig einen Spieltisch und übernehmen sämtliche dort anfallenden Tätigkeiten. In Online Casinos können sie im Kundenservice eingesetzt werden oder als Gastgeber*in im Live Casino durch einen Videostream führen.

Wer beruflich gerne die Welt kennenlernen möchte und eine internationale Karriere anstrebt, hat mit diesem Berufsbild gute Chancen. Spielbanken sind auf der ganzen Welt zu Hause und durch die international orientierte Ausbildung können Croupiers / Croupières ihre Fähigkeiten global zum Einsatz bringen. Eine ausgiebige Reisetätigkeit lässt sich vor allem als freiberuflicher Croupier / Croupière verwirklichen. Länder wie Malta, die im Hinblick auf Glücksspiellizenzen von großer Bedeutung für die Branche sind, sind nicht die einzigen Anlaufstellen für eine internationale Karriere.

Die Arbeitszeiten für dieses Berufsbild liegen vor allem in den Abend- und Nachtstunden, da die meisten Spielbanken ihren Betrieb erst am späten Nachmittag für Gäste öffnen.

Bezüglich des Gehaltes gibt es eine große Spannbreite. Einstiegsgehälter liegen erfahrungsgemäß bei etwa 2.000 € brutto. Erfahrene Croupiers / Croupières in Festanstellung können bis zu 3.500 € brutto verdienen. Erfolgreiche freiberufliche Tätigkeiten können mit bis zu 5.000 € brutto vergütet werden. Hinzu kommen die in dieser Branche üblichen Trinkgelder, die einen interessanten Zusatzverdienst darstellen können.

 

Perspektiven und Alternativen: Croupier / Croupière, und dann?

Der berufliche Einsatz im Casino ist für Croupiers / Croupières noch nicht das Ende ihrer Karriereoptionen. Viele stellen von dort aus die Weichen in Richtung einer Karriere im Tourismusbereich. Eine kaufmännische Weiterbildung im Bereich Fachwirt/in Tourismus oder ein grundständiges Studium im Tourismusmanagement bieten neue Möglichkeiten.

Auch eine weiterführende Karriere in der Gaming-Branche bietet vielfältige Optionen. Croupiers / Croupières, die bereits mit Online Casinos auf Tuchfühlung gegangen sind oder vielleicht sogar in diesem Bereich ihre Ausbildung absolviert haben, sind hervorragende Quereinsteiger für diese boomende Branche.