
Auswandern für den Job: Die Finanz-Checkliste vor dem Umzug
Ein Umzug ins Ausland bringt viele finanzielle Fragen mit sich. Erfahre, worauf du bei Krankenversicherung, Steuern, Bankkonto, Rücklagen und Budgetplanung achten solltest, damit dein Neustart im Ausland reibungslos gelingt.
Das alte Bankkonto behalten oder ein neues Eröffnen? Wie sieht es mit dem Krankenversicherungsschutz im neuen Land aus? Diese und viele weitere Fragen stellen sich fast alle Berufstätigen, die es wegen des Jobs in die Fremde zieht. In unserem Beitrag erläutern wir, welche finanziellen Punkte vor dem Umzug besonders wichtig sind und wie du dich mit der richtigen Vorbereitung vor bösen Überraschungen schützt.
Punkt 1: Krankenversicherungsstatus überprüfen
Besteht die deutsche Krankenversicherung weiter, wenn ein Umzug ins Ausland stattfindet? Die erstaunliche Antwort auf diese Frage ist „ja“. Eine wenig bekannte Regelung erlaubt es deutschen Arbeitnehmern und Selbstständigen, ihre bisherige Krankenversicherung beizubehalten. Sogar die Angehörigen bleiben in der alten Krankenkasse versichert. Es handelt sich dabei um die sogenannte S1-Bescheinigung, die unter bestimmten Bedingungen innerhalb der EU, des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) sowie in einigen Staaten mit Sozialversicherungsabkommen genutzt werden kann.
Mit diesem Formular können sich Berechtigte im neuen Wohnsitzland bei der dortigen gesetzlichen Krankenversicherung registrieren. Die Mitgliedschaft in der deutschen Krankenkasse bleibt bestehen. Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, hängt unter anderem vom Beschäftigungsstatus und vom Zielland ab. Wer dauerhaft ins Ausland zieht, sollte deshalb frühzeitig mit seiner Krankenkasse Kontakt aufnehmen und sich beraten lassen.
Dennoch ist es erforderlich, im Zielland in eine Krankenversicherung einzutreten. Bei Arbeitnehmern ist der Versicherungsschutz normalerweise bereits durch das Angestelltenverhältnis gegeben. Selbstständige hingegen müssen sich frühzeitig über die geltenden Regelungen im jeweiligen Zielland informieren und nötigenfalls selbst eine passende Krankenversicherung abschließen. Entscheidend sind dabei unter anderem das Land des Wohnsitzes, der eigene Versicherungsstatus sowie bestehende Sozialversicherungsabkommen. Weitere Informationen finden sich auf der Webseite der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland (DVKA).
Punkt 2: Steuerliche Situation abklären
Gemeldet bleiben oder abmelden? An dieser Frage hängt viel – nicht zuletzt, in welchem Land künftig die Steuern zu entrichten sind. Entscheidend ist an dieser Stelle die sogenannte 183-Tage-Regel, die von vielen Arbeitnehmern falsch interpretiert wird.
Im Prinzip besagt die Regel, dass der Lebensmittelpunkt eines Menschen dort zu verorten ist, wo er seinen sogenannten „gewöhnlichen Aufenthalt“ hat. Dies ist nach den steuerlichen Regelungen üblicherweise das Land, in dem er oder sie mindestens die Hälfte des Jahres – also 183 Tage – verbringt.
Die Regelung birgt viele Tücken. Beispielsweise reicht die reine Anzahl der Aufenthaltstage allein häufig nicht aus, um die Steuerpflicht eindeutig zu bestimmen. Es gibt auch Doppelbesteuerungsabkommen, in denen zusätzliche Kriterien zur Bestimmung des steuerlichen Wohnsitzes festgelegt werden. Viele Arbeitnehmer und Selbstständige gehen deshalb fälschlicherweise davon aus, dass sie nach 183 Tagen automatisch im neuen Land steuerpflichtig sind.
Was die tatsächliche Steuerpflicht betrifft, kommt es jedoch immer auf die individuellen Umstände an. Hier spielen unter anderem der Mittelpunkt der Lebensinteressen, der Wohnsitz und die Art der Beschäftigung eine wichtige Rolle.
Kompliziert wird es, wenn der Job längere Aufenthalte an unterschiedlichen Orten erfordert. Davon sind beispielsweise Monteure oder international tätige Mitarbeiter betroffen, die regelmäßig zwischen mehreren Ländern pendeln. Im Zweifelsfall hat das Herkunftsland des Arbeitnehmers weiterhin ein Besteuerungsrecht.
Punkt 3: Budgetmethode festlegen
Das sogenannte Drei-Konten-Modell ist eine der effektivsten Methoden, um die eigenen Finanzen zu strukturieren und den Überblick über Einnahmen, Ausgaben und Sparziele zu behalten. Durch die konsequente Aufteilung der Geldströme lassen sich die einzelnen Budgets besser einhalten. Hier die konkreten Vorteile des Drei-Konten-Modells in einer Übersicht:
- Die klare Trennung von Fixkosten, variablen Ausgaben und Sparzielen sorgt für mehr Übersicht und reduziert unnötige Ausgaben im Alltag.
- Monatliche Budgets lassen sich einfacher einhalten, da jeder Euro einem festen Verwendungszweck zugeordnet wird.
- Sparziele wie Urlaub oder Immobilienkauf werden eher erreicht, da die Rücklagen automatisch auf ein separates Konto fließen.
- Spontankäufe werden begrenzt, da das frei verfügbare Budget auf dem Ausgabenkonto jederzeit sichtbar ist.
Darüber hinaus wird die finanzielle Planung langfristig einfacher, da regelmäßige Einnahmen, laufende Verpflichtungen und Ersparnisse dauerhaft voneinander getrennt bleiben. So wird verhindert, dass Rücklagen für Alltagsausgaben genutzt oder wichtige Zahlungen vergessen werden.
Ein weiterer Vorteil des Drei-Konten-Modells besteht darin, dass sich finanzielle Veränderungen schneller erkennen lassen. Steigen beispielsweise die Lebenshaltungskosten, wird sofort sichtbar, welcher Budgetbereich angepasst werden muss. Die Ausgaben lassen sich so frühzeitig reduzieren, ohne dass die finanzielle Stabilität gefährdet wird.
Punkt 4: Rücklagen bilden
Bei der Vorbereitung des Auslandsumzugs wird oft übersehen, dass nicht nur die eigentlichen Umzugskosten finanziert werden müssen. Gerade in den ersten Wochen nach der Ankunft entstehen oft unerwartete Ausgaben – etwa für Mietkaution, Möbel oder Behördengänge. Hinzu kommen mögliche Wartezeiten bis zum ersten Gehalt oder Verzögerungen bei der Eröffnung des Bankkontos. Auch Währungsschwankungen oder unerwartet hohe Lebenshaltungskosten können das Budget stark belasten.
Eine ausreichende finanzielle Reserve schafft in dieser Phase Sicherheit und verhindert, dass kurzfristig teure Kredite in Anspruch genommen werden müssen. Daher solltest du vor dem Umzug einen Notgroschen zurücklegen, der mehrere Monatsausgaben abdeckt. So bleibst du bei unvorhergesehenen Ereignissen, beispielsweise einer medizinischen Behandlung oder unerwarteten Nachzahlungen, finanziell handlungsfähig und kannst dich ganz auf das Einleben im neuen Land konzentrieren.
Punkt 5: Bankkonto und Zahlungsverkehr organisieren
Vor dem Umzug solltest du entscheiden, ob dein deutsches Bankkonto bestehen bleibt oder ob ein neues Konto im Zielland sinnvoller ist. In vielen Fällen lohnt sich eine Kombination aus beidem. Das deutsche Konto kann für laufende Verträge, Versicherungen oder Steuererstattungen genutzt werden. Das neue Konto bei einer Bank im Zielland übernimmt den täglichen Zahlungsverkehr, den Gehaltseingang und lokale Lastschriften.
Informiere dich außerdem frühzeitig über mögliche Kontoführungsgebühren, Fremdwährungsgebühren und Kosten für internationale Überweisungen. Innerhalb des SEPA-Raums sind Zahlungen oft kostenlos möglich. Außerhalb Europas können jedoch zusätzliche Gebühren anfallen. Prüfe außerdem, welche Zahlungsmittel im Zielland üblich sind und ob deine bisherigen Kredit- oder Debitkarten dort akzeptiert werden.
Darüber hinaus solltest du beachten, dass in einigen Ländern mobile Bezahldienste einen Großteil des alltäglichen Zahlungsverkehrs ausmachen. Ein gutes Beispiel ist Brasilien: Hier werden bereits seit einigen Jahren die meisten Überweisungen und Einkäufe per Pix abgewickelt. Um diesen Bezahldienst nutzen zu können, benötigst du zwingend ein brasilianisches Bankkonto und eine brasilianische Steuernummer (CPF).
Unser Fazit
Ein beruflich bedingter Umzug ins Ausland bringt zahlreiche finanzielle Entscheidungen mit sich, die möglichst vor der Abreise geklärt werden sollten. Unter anderem haben die Krankenversicherung, die steuerliche Situation und die Wahl des Bankkontos Einfluss auf den erfolgreichen Start im neuen Land. Die entsprechenden Regelungen und Zahlungssysteme unterscheiden sich je nach Zielland erheblich. Eine frühzeitige Vorbereitung reduziert finanzielle Risiken und erleichtert dir die ersten Wochen nach dem Umzug.