Auswandern – Wie bereite ich den Umzug vor?

Wer in ein anderes Land zieht, hat viel zu bedenken. Man muss den Umzug vorbereiten und jede Menge Formalitäten erledigen. Es ist auch nicht egal, in welches Land man geht und ob man auf Dauer oder nur auf Zeit hier die Zelte abbricht. Wir wollen Ihnen ein paar Hilfestellungen an die Hand geben, damit Sie den Überblick behalten.

Unterschiede beim Umzug in ein anderes EU-Land / ein anderes Land

Siedelt man in ein anderes EU-Land oder in die Schweiz über, sind die Vorgänge relativ überschaubar. Man braucht zunächst nur Personalausweis oder Reisepass, der Führerschein gilt weiter und für das Umzugsgut wird kein Zoll erhoben. Wer Haustiere mitnimmt, sollte sich zuvor beim Tierarzt erkundigen, ob und welche Impfungen nötig sind. Manche Länder – Schweden zum Beispiel – lassen nur Hunde mit ID-Chip und Papieren einreisen. Auch exotische Grünpflanzen können auf einer Verbotsliste stehen.

Solche Dinge sind natürlich auch bei einem Umzug in ein Land zu erwägen, das nicht zur EU gehört. Dort braucht man die nötigen Visa/Arbeitsgenehmigungen und oft auch eine beglaubigte Übersetzung des Führerscheins. Hilfreich ist oft ein internationaler Führerschein. Wenn man seinen Hausrat mitnehmen will, sollte man die Kosten im Auge behalten. Ein Container in Richtung USA kann leicht mit ein paar tausend Euro zu Buche schlagen, ist dafür aber zollfrei, wenn man im Besitz einer Aufenthaltsgenehmigung ist. Man sollte vorher prüfen, ob man den ganzen Hausrat braucht. Elektrische Geräte sind auf andere Spannungen ausgelegt, Fahrzeuge lassen sich nur in die Staaten einführen, wenn man sie entsprechend den US-Vorschriften umrüstet. Wer sich dennoch nicht komplett neu einrichten will, kann Geld sparen, wenn er die verbliebenen Lieblingsstücke als Beiladung verstauen lässt.

Insgesamt ist der Umzug aber nicht viel problematischer als innerhalb der EU, wenn man alles gut geplant und die Kosten im Griff hat. Für alle Länder aber gilt: machen Sie sich kundig über das Land, lernen Sie die Sprache und schließen Sie die nötigen Versicherungen ab. Wichtig: Nie ohne ausreichende Krankenversicherung ins Ausland gehen! Es ist besser, ein oder zwei Monate doppelt versichert zu sein, als gar nicht.

Auswandern auf Zeit vs. Auswandern auf Dauer

Viele Auswanderer wollen nur eine gewisse Zeit im Ausland verbringen und der im Ausland gesammelte Erfahrungsschatz kann ein großes Plus für die spätere Karriere in Deutschland sein. Das Auswandern auf Zeit kann auch finanzielle Vorteile bringen, wenn man am Anfang des Berufslebens noch nicht so viel Geld hat. So kann man die Wohnung untervermieten – wenn der Vermieter mitspielt – und damit auch gleich den kostengünstigen Verbleib der Einrichtung regeln. Für im Mietvertrag enthaltene Garagen und Stellplätze gilt das gleiche. Übrigens ist die Beibehaltung der Wohnung Voraussetzung dafür, dass man sich nicht abmelden muss. Der Haken: Passangelegenheiten über die Botschaft zu regeln, kostet mehr und dauert länger, weil immer erst eine Ermächtigung von den in Deutschland befindlichen Behörden eingeholt werden muss. Außerdem bleibt eine gewisse Steuerpflicht in Deutschland bestehen. Davor schützt mitunter nicht einmal ein Doppelbesteuerungsabkommen, denn sie alle enthalten unterschiedliche Regelungen. So werden zum Beispiel Einkünfte in Dubai mit dem deutschen Steuersatz verrechnet und der schöne Vorteil ist futsch. Gibt es gar kein solches Abkommen, zahlt man unter Umständen auch noch doppelt. Wichtig: aus steuerrechtlicher Sicht kann auch eine Zweitwohnung oder ein eigenes Zimmer bei den Eltern einen Wohnsitz begründen.

Doch wem das Auswandern auf Dauer zu endgültig vorkommt, sollte vielleicht erst einmal auf Probe ins Land seiner Wahl gehen, um hautnah zu erleben, wie sich das Leben dort abspielt. Kommt man gut klar mit den Leuten und ihrer Mentalität, ihrer Sprache, den Gepflogenheiten? Muss man die eigenen Vorstellungen vom Traumland korrigieren? Kurzum, will man, nachdem man das Land nun schon gut kennt, immer noch dorthin? Alles in allem gibt es keinen Grund, hier eine überstürzte Entscheidung zu treffen.

Wohnsitzwechsel im Heimatland anzeigen, Telefon abmelden, Konto auflösen, usw….

Wer ins Ausland zieht, hat vorher noch einiges in Deutschland zu regeln, von der Abmeldung des Wohnsitzes bis zur Kündigung von Verträgen und Abos.

Man sollte nicht vergessen:

  • Wohnsitz in Deutschland abmelden. Dafür gibt es auch Online-Formulare, allerdings nicht bei jedem Meldeamt. Wichtig: die örtlichen Fristen einhalten, sonst kann ein Bußgeld verhängt werden. Die Abmeldung selbst kostet nichts.
  • Mietvertrag kündigen. Normalerweise gilt eine dreimonatige Kündigungsfrist. Schaut aber zur Sicherheit in die Unterlagen.
  • Festnetzanschluss kündigen. Achtung: Ein Sonderkündigungsrecht gibt es nur dann, wenn der Provider am neuen Wohnsitz seine Leistung nicht zu den gleichen Bedingungen anbieten kann wie bisher. Frist: drei Monate zum Ende eines Kalendermonats.
  • Handyvertrag kündigen. Oft nur gegen eine Ausgleichszahlung möglich, aber auch hier gilt, dass der Provider seine Leistungen im vollen Umfang und zum selben Preis im Ausland anbietet.
  • Wer Online-Banking nutzt, sollte keinerlei Schwierigkeiten haben, das Konto erst mal beizubehalten. Dann entstehen allerdings höhere Kosten für Abhebungen. Wer es auflöst, muss aber vorher etwaige Schulden bei der Bank aus einem Dispokredit begleichen.
  • Strom oder Gas kündigen.
  • Rundfunkbeitrag abmelden.
  • Abonnements, Mitgliedschaften in Vereinen kündigen, eine Bahncard kann vielleicht übertragen werden.
  • Versicherungen checken.

Durch den (dauerhaften) Wohnsitz im anderen Land greift die deutsche gesetzliche Krankenversicherung nicht mehr (EHIC endet nach drei Monaten), es sei denn, man ist Erasmus-Student. Private Krankenversicherungen können fortbestehen, zu den Bedingungen des Vertrages. In jedem Fall den Versicherer kontaktieren. Andere Verträge, die man kündigen solle: Privathaftpflichtversicherungen, denn die sind an den Wohnsitz gebunden. Hausratversicherung, sie läuft im Ausland nur noch zwei Monate. KFZ-Versicherungen (bis 30.11. eines Jahres, falls nichts anderes vereinbart ist). Außerordentlich kündigen kann man nur, wenn man das Fahrzeug abmeldet. Behalten kann man hingegen seine Risikolebensversicherung, sie gilt meistens weltweit (Vertrag anschauen). Ähnliches gilt für eine Private Unfallversicherung: in den Vertrag schauen und den Versicherer informieren. Zu bedenken ist jedoch, dass man im Fall der Fälle zur medizinischen Begutachtung nach Deutschland fahren muss. Wer das nicht möchte: fristgerecht kündigen (drei Monate vor Ablauf).

Ansprüche auf Sozialleistungen – sind sie übertragbar?

Wer in einem anderen EU-Land Arbeit sucht, kann auf Antrag sein Arbeitslosengeld I mitnehmen und zwar für drei, höchstens aber sechs Monate. Die Mühlen des Arbeitsamtes mahlen langsam, daher am besten so früh wie möglich beantragen. Das ausgestellte Dokument heißt PD U2 und muss im Gastland innerhalb von sechs Tagen bei der entsprechenden Arbeitsverwaltungsstelle vorgelegt werden. Während die Leistungen fließen, ist man auch weiter in der gesetzlichen Kranken,- Pflege- und Rentenversicherung pflichtversichert.

Umgekehrt, bei der Rückkehr nach Deutschland, funktioniert das aber nur eingeschränkt. In der Regel muss man erst wieder in Deutschland gearbeitet haben. Allerdings werden die Beschäftigungszeiten im Ausland mit angerechnet. Diese Zeiten müssen im Dokument PD U1 aufgeführt werden. Kommt man aus einem Nicht-EU-Land zurück, hat man Anspruch auf nicht verbrauchtes Arbeitslosengeld I, sofern dieser nicht älter als vier Jahre ist. Innerhalb der EU kann auch Arbeitslosengeld II eventuell transferiert werden, hierzu muss die Bescheinigung E 303 ausgefüllt werden. Auch hier gilt eine zeitliche Beschränkung auf drei Monate. Das ist der sogenannte Mitnahmezeitraum. Während dieser drei Monate hat man auch Schutz über die europäische Krankenversicherungskarte (EHIC). Diese ist kostenlos und bereits in die Gesundheitskarten mit Chip integriert, die man als gesetzlich Versicherter bei der Krankenkasse beantragen kann.

Die Einwanderung ins neue Land

Wer nicht nur Urlaub machen will, hat im neuen Land jede Menge zu regeln. Da sich das selbst innerhalb der EU von Land zu Land unterscheidet, können wir nur knapp die Richtung weisen. Es könnte aber zum Beispiel so ablaufen:

  • Anwesenheit – auch die von Partnern und engen Angehörigen – anmelden (Rathaus, Polizei)
  • Gegebenenfalls Wohnung suchen und einziehen
  • Gegebenenfalls Job suchen
  • Gegebenenfalls Krankenversicherung abschließen
  • Nach drei Monaten: Wohnsitz anmelden (EU). Man erhält von der Behörde eine Anmeldebescheinigung.
  • Sozialversicherungsnummer beantragen (USA)
  • spätestens nach sechs Monaten: PKW ummelden (EU).

Neben dem Papierkram ist es aber ganz besonders wichtig, sich auf das neue Land einzulassen und das heißt erst einmal: Sprach- und Landeskenntnisse erweitern, Freunde finden, Netzwerk aufbauen. Wer will, kann auch mit unserem Newsletter auf dem Laufenden bleiben.

 

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