Kulturschock bei Expats

Möglicherweise war es deine eigene Idee, zu kündigen und dir einen Job im Ausland zu suchen. Vielleicht aber hast du auch deinen Chef gefragt, ob du nicht zwei Jahre in die Zentrale nach Asien gehen kannst. Schließlich hast du bereits bei deinem Urlaub in Shanghai Gefallen an asiatischem Essen und der Kultur gefunden. Es kann aber auch sein, dass du von deiner Firma nach Sao Paulo versetzt wirst. Ohne weiteres Mitspracherecht, um dort die Zweigniederlassung aufzubauen und den südamerikanischen Markt aufzurollen.

So oder so, in beiden Fällen wirst du wahrscheinlich nach einigen Wochen in deinem neuen Heimatland einen Kulturschock erleiden. Was du jetzt liest, solltest du dir merken und daran denken, wenn es dich trifft: Einen Kulturschock zu haben ist kein Versagen deinerseits, aufgrund mangelnder Anpassungsfähigkeit oder Toleranz. Das Phänomen Kulturschock ist wissenschaftlich erforscht und bewiesen. Um es gleich vorweg zu nehmen, du wirst dasselbe erleben, wenn du nach ein paar Monaten oder Jahren wieder nach Deutschland zurückkommst. Mittlerweile wird dir dein Zuhause doch etwas fremd geworden sein.

Wie gesagt, ein Kulturschock ist etwas ganz Normales und mit diesem Wissen kannst du ihm auch gelassener entgegenstehen. Wir stellen dir die verschiedenen Phasen des Kulturschocks vor und geben dir Tipps, wie du damit umgehen kannst. Die Welt hat viel zu bieten. Alleine aufgrund von Sorgen kein Abenteuer zu wagen wäre sehr schade. Stell dir vor, wie es ist, wenn du alt bist und an all die schönen und aufregenden Erlebnisse und Begegnungen denkst.

Die fünf Phasen des Kulturschocks

Alles ist toll

Du steigst aus dem Flieger und fühlst dich gewappnet für das Abenteuer Ausland. Du hast zahlreiche Bücher gelesen und dich über die Gepflogenheiten des Landes informiert. Schließlich warst du auch schon einmal hier im Urlaub. Das war vor zehn Jahren, als du mit deinen Eltern einen zweiwöchigen Strandurlaub gemacht hast. Deine Freunde haben dir von ihren Erlebnissen unvergessliche Geschichten erzählt und dir viele Tipps gegeben. Du weißt nun was du in diesem Land essen kannst und welche gastronomischen Köstlichkeiten lieber nicht auf deinem Teller landen. Lebensmittelvergiftung zu bekommen sind schließlich keine Kleinigkeit. Deine neue Firma hat ein Zimmer für dich arrangiert und du wirst standesgemäß am Flughafen von einem Fahrer abgeholt und zu deiner Unterkunft gebracht. Das wird das beste Jahr deines Lebens. Die Kollegen machen einen sehr netten Eindruck, auch wenn du nur die Hälfte davon verstehst, was sie sagen. Du nickst freundlich und lächelst.

Was habe ich nur getan

Nach zwei Wochen gestehst du dir ein, dass die Unterkunft, die dir die Firma gestellt hat, nicht den europäischen Hygienestandards entspricht. Bei der Suche nach einer langfristigen Wohnung wird dir klar, dass du als Ausländer höhere Mieten in Kauf nehmen musst als Einheimische. Der Abschied in Deutschland rückt immer mehr in die Ferne und so langsam merkst du, dass doch nicht alles prima ist. Vielleicht fühlst du dich alleine, weil du dich mit niemandem über deine neuen, ungewohnten Eindrücke in der Arbeit austauschen kannst. Abends möchtest du nichts alleine unternehmen und bleibst deshalb in deiner Wohnung und surfst im Internet. Hier ist er, der Kulturschock.

Jetzt ist es wichtig, dass du akzeptierst, dass du dich doch nicht so ohne weiteres in ein neues Umfeld einfügen kannst. Es ist in Ordnung, dass du dich in dieser Phase alleine fühlst. Deine Freunde und Familie sind schließlich alle weit weg. Hier ein paar Tipps, mit denen du dich schneller wieder wohlfühlst und das neue Leben genießen kannst.

  • Frag Arbeitskollegen, ob sie Lust haben nach der Arbeit etwas trinken zu gehen.
  • Du hast ein Hobby in Deutschland und machst Sport, singst oder malst gerne? Schaue dich nach Vereinen und Angeboten um, bei denen du am Abend oder am Wochenende Zeit verbringen kannst mit etwas, das dir Spaß machst. Wenn du regelmäßig dorthin gehst, findest du auch schneller Anschluss an Leute.
  • Such dir eine Unterkunft in einem Viertel, das dir gefällt. In einer Wohnung oder in einer Gegend zu wohnen, die du nicht magst, wird den Aufenthalt deutlich schlechter machen. Gib ein bisschen mehr Geld aus und dekoriere deine Wohnung mit Pflanzen oder Bildern, so dass du dich wohler fühlst. Möglicherweise hast du auch den ein oder anderen vertrauten Gegenstand mitgenommen, der dir mehr Sicherheit gibt.
  • Versuche Kontakt zu Kollegen außerhalb deiner Abteilung aufzunehmen. Da du die meiste Zeit in der Arbeit verbringen wirst, ist es wichtig, dass du auch hier ein paar Kontaktpersonen hast, mit denen du mal Mittagessen gehen kannst oder mit welchen du über private Dinge sprechen kannst. Mit Kollegen aus anderen Abteilungen geht das vielleicht leichter, und du gewinnst einen anderen Blick auf das Unternehmen.
  • Such dir eine deutsche oder Expat Community. Auch wenn das zuerst wie eine schlechte Idee erscheint, hilft es, sich mit anderen auszutauschen über die neuen Erfahrungen und Schwierigkeiten, vor denen man steht.

Das wird schon wieder

Das Schlimmste ist überstanden und so langsam lebst du dich tatsächlich in der neuen Umgebung ein. Du weißt mittlerweile über die ein oder andere Besonderheit Bescheid, etwa wie man Essen bestellt, ob man Trinkgeld gibt, wie die Toilettenspülung funktioniert und wo du etwas einkaufen kannst. Auf der Arbeit weißt du mittlerweile auch, wie deine Kollegen heißen und welche Aufgabenbereiche deine neue Position mit sich bringt.

Ist ja doch nicht so schlimm

In der vierten Phase hast du dich im neuen Land eingelebt und übernimmst vielleicht sogar die ein oder andere Gepflogenheit. Du hast herausgefunden, wie der Hase im Unternehmen läuft und freust dich darauf, deine Kollegen jeden Morgen wiederzusehen oder abends mit Bekannten Sachen zu unternehmen. Vielleicht gibt es das ein oder andere Lieblingsgericht, das du entdeckt hast. Vielleicht lässt du dich nun sogar bei Wochenendausflügen von der überwältigenden Landschaft in den Bann ziehen. DU genießt nun die Zeit hier und denkst mit Wehmut daran, dass diese bald zu Ende geht.

Endlich wieder zuhause

Nachdem du dich von deinen Kollegen und neu gewonnenen Freunden verabschiedet hast, trittst du deine Heimreise nach Deutschland an. Je länger du weg warst, desto schwerer wird dir wahrscheinlich die Eingewöhnung fallen. Denn, obwohl du in dein Zuhause zurückkehrst, hat sich in der Zwischenzeit nicht nur in Deutschland etwas verändert auch du hast dich verändert. In dieser Zeit setzt der klassische zweite Kulturschock ein. Diesmal ist es der Kulturschock der Rückkehr in dein neues altes Zuhauses. Mit unseren Tipps weißt du jetzt allerdings, dass das völlig normal ist und nur von kurzer Dauer.

 

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